Archiv der Kategorie: yogatherapie

Deutsche Gesellschaft für Yogatherapie e.V. (DeGYT) bringt endlich Klarstellungen

Deutsche Gesellschaft
für Yogatherapie e.V. (DeGYT) reagiert mit Klarstellungen

Die Deutsche Gesellschaft für Yogatherapie (kurz: DeGYT) hat am 27.1.2017 einen von einem Rechtsanwalt erstellte rechtliche Beurteilung der Tätigkeit von Yogatherapeuten eingefügt.  Vorher haben wir eine solche Information auf der Seite leider vergeblich gesucht.

Der Artikel bestätigt die Auffassung der Tripada Akademie fast in allen Punkten.

Wir sehen das als eine Reaktion auf die Abmahntätigkeit der Tripada Akademie an und somit als Erfolg gegen unseriöse (Ausbildungs-und Yogatherapie-) Anbieter, die ihren Kunden eben diese Informationen vorsätzlich vorenthalten haben.

Auch auf der Startseite der Gesellschaft der befindet sich nun seit Neuestem der Hinweis:

Konkrete Angebote für heilendes Yoga darf nur von Yogalehrern angeboten werden, die über eine Heilbefugnis verfügen.

Unzutreffend ist allerdings die folgende Einschätzung zur Tätigkeit von Yogatherapeuten in Kooperation mit Ärzten:

Keine selbständige Ausübung der Heilkunde?

Die Notwendigkeit und auch die Möglichkeit einer Heilpraktikererlaubnis entfallen nach bislang verbreiteter Auffassung ferner dann, wenn der Therapeut die Heilkunde nicht im Sinne des § 1 HPG eigenverantwortlich ausübt, sondern als Hilfsperson eines Arztes oder eines Heilpraktikers, also unter deren Aufsicht und nach deren Weisung. Nach einer Rechtsauffassung entfällt das Merkmal der „Ausübung der Heilkunde“ schon immer dann, wenn der Therapeut aufgrund einer ärztlichen Verordnung tätig wird. Jedenfalls aber entfiele die Notwendigkeit einer Heilpraktikererlaubnis, wenn und soweit die Yogatherapie durch eine Hilfsperson des Arztes in den Räumen und unter Aufsicht und nach Weisung eines Arztes durchgeführt wird (sog. Subordinationsverhältnis; der Therapeut quasi als „verlängerter Arm des Arztes“). 

Als Hilfspersonen des Arztes oder Heilpraktikers in einem Unterordnungsverhältnis dürfen nur speziell ausgebildete Gesundheitsfachberufe tätig werden, etwa Physiotherapeuten. Diese haben eine staatliche anerkannte Ausbildung absolviert und dürfen nicht selbstständig die Heilkunde ausüben. Sie sind zudem als Heilmittelerbringer bei den Kassen akkreditiert.

Yogatherapie ist jedoch keine solche nachgeordnete Tätigkeit auf Grund einer eigenen staatlich anerkannten Ausbildung. Sie ist demzufolge auch einer „Verordnung“ durch einen Arzt nicht zugänglich. Hinzu kommt, dass § 1 Abs. 2 HeilprG ausdrücklich eine Erlaubnis auch bei solchen Tätigkeiten verlangt, die im Dienste von anderen ausgeübt werden

In einem Urteil des Verwaltungsgerichtes Trier vom 18.8.2010  Aktenzeichen: 5 K 221/10.TR  wurde diese Auffassung bereits in einem ähnlich gelagerten Fall eindeutig anders beurteilt: 

Für die Yogatherapie in Zusammenarbeit mit einem Arzt gilt nach unserer Meinung folgendes:

„Sind demnach die genannten Tätigkeiten der Heilkunde zuzuordnen, so können sie auch nicht als untergeordnete Tätigkeiten eingestuft werden, die auf Hilfskräfte übertragen werden können.

Insoweit sind nämlich zur Überzeugung des Gerichts die Ausführungen des Bundesverwaltungsgerichts zur chiropraktischer Behandlung entsprechend anwendbar, zumal aus der vorstehenden Beschreibung der Tätigkeiten folgt, dass dem Wissens- und Kenntnisstand der die Handlungen unmittelbar vornehmenden Person erhebliche Bedeutung zukommt, weil es sich nicht um rein mechanische Handlungen handelt, sondern der Handelnde unmittelbar auf bei der Behandlung erzielte Kenntnisse reagieren muss.“

„Hinzu kommt, dass sich die gesamte Traditionelle Chinesische Medizin – wie bereits ausgeführt – als umfassende Gesamtbetrachtung gesundheitlicher Probleme versteht, so dass in ihrem gesamten Anwendungsbereich bei einer Ausführung durch nicht hinreichend sachkundige Personen eine potentielle Gesundheitsgefährdung deshalb zu bejahen ist, weil die Gefahr besteht, dass eine erforderliche ärztliche Behandlung verzögert wird. Dies gilt vorliegend ungeachtet dessen, dass der Kläger insoweit vorträgt, er werde stets unter ärztlicher Betreuung durch Herrn Dr. *** tätig.

Wie nämlich den vorstehenden Ausführungen zur Traditionellen Chinesischen Medizin zu entnehmen ist, kommt es bei ihr ganz entscheidend auf den Wissensstand der unmittelbar handelnden Person an, so dass die genannten Tätigkeiten einer Ausführung durch Hilfspersonen von vornherein nicht zugänglich sind, weil sie eine medizinische Qualifikation der unmittelbar tätigen Personen erfordern.

Hinzu kommt, dass § 1 Abs. 2 HeilprG ausdrücklich eine Erlaubnis auch bei solchen Tätigkeiten verlangt, die im Dienste von anderen ausgeübt werden.

Von daher kommt es nicht entscheidungserheblich darauf an, in welchem Umfang der Kläger – wie behauptet – unter ärztlicher Leitung tätig wird, so dass insoweit auch keine Beweisaufnahme erforderlich war. Dies gilt im Übrigen auch hinsichtlich der unter Beweis gestellten Behauptung des Klägers, dass die streitigen Tätigkeiten von einem Arzt delegiert werden dürften, denn insoweit handelt es sich um eine Rechtsfrage, die vom Gericht in eigener Entscheidungskompetenz zu beantworten ist.

Demnach ist die Beklagte bei ihrer Entscheidung zu Recht davon ausgegangen, dass der Kläger für seine oben genannten Tätigkeiten mangels ärztlicher Ausbildung eine Heilpraktikererlaubnis benötigt.“

Analog sind diese Grundsätze auch bei der Yogatherapie anzuwenden. Für eine yogatherapeutische Tätigkeit ohne Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde bleibt demzufolge keinerlei Raum.

 

Landgerichte Münster bestätigt Verbot von Yogatherapie

Landgerichte Münster bestätigt Verbot von Yogatherapie durch Laien und Werbung mit nicht erwiesenen Wirkungen

In einer aktuellen Entscheidung bestätigte das Landgericht Münster die einstweilige Verfügung gegen eine Yogalehrerin aus Düsseldorf.  

Diese hatte Yogatherapie gegen Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, psychische Störungen  und weitere Erkrankungen angeboten. Sie offerierte hierzu eine „Anamnese“ und darauf aufbauend einen individuellen Therapieplan. Dazu berief Sie sich auf die in einer privaten„Yogatherapieausbildung“   erworbenen Kenntnisse und  zudem eine „buddhistische Psychotherapie“ unbekannter Provenienz.  Eine Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde hatte sie jedoch nicht.  Es lag keine medizinische Ausbildung vor.

Leider breiten sich immer mehr  ähnlich geartete unseriöse Angebote von Yogalehrern aus, die sogenannte Yogatherapie zur Behandlungen verschiedenster Erkrankungen anbieten und damit Menschen gefährden, den Verbraucher täuschen und den Ruf des Yoga beschädigen. Diese Personen sind weder Ärzte noch approbierte Psychologen noch Heilpraktiker, haben also weder eine medizinische Ausbildung noch einen entsprechenden Kenntnisnachweis vor dem Gesundheitsamt abgelegt. Die Ausübung der Heilkunde ohne Erlaubnis ist eine Straftat.

Falsche Wirkungsversprechen

Entgegen den bislang vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnissen werden zudem regelmäßig  von Yogatherapeuten Wirkungen des Yoga auf sehr viele Krankheitsbilder behauptet. Solange diese Wirkungen nicht durch  anerkannte Studien nach wissenschaftlichen Standards belegt sind, liegen damit indes Verstöße gegen das Heilmittelwerbegesetz vor.  In beiden Fällen ist damit auch ein unlauterer Wettbewerb gegeben und eine unerlaubte  Irreführung der Verbraucher.

Die Wirkung von Yoga bei der Behandlung von Erkrankungen ist nur in sehr wenigen Fällen anerkannt, und in keinem Fall als kausale, sondern nur als komplementäre Therapie.

Abmahnung

Die Tripada Akademie geht gegen solche Anbieter mit dem Mittel der Abmahnung vor. Auf diesem Wege konnten im Großraum Düsseldorf eine Reihe solcher Anbieter erfolgreich dazu gebracht werden, ihre unseriösen Angebote einzustellen. Hierbei kam es in fast allen Fällen zu kostengünstigen außergerichtlichen Einigungen. Im vorliegenden Fall hatte die Dame sich aber nach der Abmahnung durch die Tripada Akademie geweigert, diese Verhaltensweisen künftig zu unterlassen und eine entsprechende außergerichtliche Einigung zu finden.

Wirrer Brief als verspottende Antwort,. Facebook – Mobbing

Statt dessen schrieb sie einen sehr seltsam anmutenden und ziemlich wirren Brief. Weiter  inszenierte sie sich in verschiedenen Facebookgruppen als Opfer und denunzierte die Tripada Akademie (namentlich mich) als bösen Abmahner, dem es nur ums Geld ginge, während ihr  nur das Heil und Wohl der Menschen am Herzen läge und die Welt so ungerecht sei. Und angeblich ginge es ja auch nur um das Geld. Unrechtsbewusstsein war nicht vorhanden.

Einstweilige Verfügung

Zwischenzeitlich hat die Tripada Akademie  deshalb vor dem Landgericht Münster eine einstweilige Verfügung erwirkt. Hierbei wurde es der Dame bei Androhung einer Ordnungsstrafe von 250.000 Euro oder ersatzweise Haft gerichtlich verboten, weiter als Yogatherapeutin für Yogadienstleisungen zu werben und  tätig zu sein.

Erfolgloser Widerspruch

Schließlich wendete sie sich aber mit einem Widerspruch gegen die Verfügung, vermutlich auch entsprechend unglücklich beraten von ihrem  Anwalt. Auch andere selbsternannte „Yogatherapeuten“  unterstützten sie in ihren irrigen Ansichten.

Verbot der Yogatherapie bestätigt

In dem Einspruchsverfahren vor dem Landgericht Münster konnte die Dame jedoch nicht überzeugen, obwohl eine Gruppe von Unterstützern mit angereist war. Das Landgericht Münster bestätigte die Entscheidung. Die Kosten einer Abmahnung belaufen sich auf ca 860 €. Die jetzt anfallenden unsinnigen Kosten dürften bei 4- 5 TE liegen.

Begründung

Derzeit warten wir gespannt auf die Begründung.Die Bestätigung der Verfügung ist ein wichtiger Erfolg im Kampf gegen Yogalehrende, welche die rechtlichen und fachlichen Grenzen unangemessen überschreiten.

Überhitzter Yogamarkt führt zur Übertreibungen aller Art

Der überhitzte Yogamarkt führt teilweise zu hemmungslosen Anpreisungen der angeblichen Wunderwirkungen von Yoga. Gesetzliche Grenzen werden vielfältig überschritten. Die Tripada Akademie wird deshalb auch künftig  gegen Diplom- Yogalehrer, angeblich staatlich anerkannte Yogalehrer oder staatlich anerkannte Yogalehrerausbildungen und selbsternannte Yogatherapeuten vorgehen und somit zu einem fairen Wettbewerb und dem Verbraucherschutz beitragen. Übrigens: es wird nichts daran verdient, im Gegenteil gehen wir Kostenrisiken ein.

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Die schwarzen Schafe im Yoga

Die schwarzen Schafe im Yoga

Bedauerlicherweise musste die Tripada Akademie eine wettbewerbsrechtliche Abmahnung gegen eine Kollegin wegen unlauterem Wettbewerb aussprechen, die in besonders dreister Weise irreführende und verbrauchertäuschende Werbung betrieben hatte.

So bewarb sie über Google Anzeigen ihre Ausbildungen „Heilyoga“ und „Yogatherapie“ mit der Behauptung, diese seien nicht nur „staatlich anerkannt“, sondern auch noch von den „gesetzlichen Krankenkassen anerkannt“.

Staatlich anerkannte Yogalehrerausbildungen gibt es nicht 

Da der Yogalehrerberuf nicht geschützt ist, gibt es bekanntlich keinerlei staatliche Anerkennung einer Yogalehrerausbildung. Damit nicht genug, versuchte die Kollegin systematisch auf ihrer Webseite den falschen Eindruck zu erwecken, insbesondere das von ihr selber unter einer eigenen Marke vertriebene „Heilyoga“ sei von den Kassen anerkannt und würde auch als solches gefördert.

Tatsächlich hatte sie jedodch nur einen einzigen Kurs bei der Zentralen Prüfstelle Prävention zertifizieren lassen. Dieser kam jedoch im Stundenplan des Kursangebotes gar nicht vor. Hier fanden sich vielmehr Kurse mit dem klingenden Namen „Heilyoga“ oder gar „Heilyoga intensiv“. Nichtsdestoweniger wurde der Eindruck erweckt, diese Kurse würden ebenfalls gefördert. So konnten die Teilnehmer Teilnahmebescheinigungen für diese Kurse ausdrucken und abrechnen, obwohl die Förderung von Kursen mit einer therapeutischen Ausrichtung durch die Kassen schlichtweg ausgeschlossen ist.

Eine Prüfung ergab, da die sogenannten „Heilyogakurse“ sogar bei den Kurssuchen der gesetzlichen Kassen eingestellt waren. Ein Gespräch mit der ZPP, wie es möglich ist, dass Kurse mit einer therapeutischen Ausrichtung bei den Kassen geführt werden, ergab folgendes:

Die findige Kollegin hatte zwar nur einen einzigen Kurs in der Prävention  zertifziert. Nach Abschluss der Zertifizierung hat man jedoch die Möglichkeit, Kurstermine einzutragen. Dies wird nicht mehr kontrolliert. In dieser Maske gibt es ein Freitextfeld für Bemerkungen.

Sehr pfiffig wurde nun  in dieses Freifeld „Heilyoga“ und „Heilyoga intensiv“ etc. eingetragen, so dass aus einem einzigen zertifizierten Präventionskurs gleich 3 mit einer therapeutischen Ausrichtung wurden. Auch die Kassen prüfen dies nicht.

Yogatherapie von medizinischen Laien ist nicht gestattet

Damit nicht genug, bot die Kollegin ohne Erlaubnis in umfangreichen Masse die Heilkunde an. Von Hause aus lediglich mit einer staatlich anerkannten Massageausbildung versehen, sah sie sich berechtigt,  eine von ihr selber entwickelte sogenannte „Yoga – Heilkunst“, „Heilyoga“ und „Yogatherapie“  als Behandlung von körperlichen und seelischen Störungen anzubieten.

Hierbei ging es nach den Beschreibungen des „Heilyoga“ um die Wahrnehmung und mögliche Heilung von körperlichen und  psychosomatischen Beschwerden, unbewussten Blockaden und tiefgreifenden Traumata.  Ihr Heilyoga habe sie in der Absicht entwickelt,  westliche moderne Psychologie und Psychotherapie und das Yoga, miteinander zu verbinden.

Yoga solle auch als Therapie für Menschen mit körperlichen Erkrankungen im Einzelunterricht oder in Gruppen angewendet werden.

Vorsicht vor falschen Wirkungsangaben

Als Anwendungsgebiete wurden

Burn Out,
Krebs
Rückenleiden
psychosomatische Erkrankungen
Angstzuständen
Kopfschmerzen
Übergewicht und
Herz-Kreislaufbeschwerden

benannt.

Hierfür böte ihre „Yogatherapie“ oder „Heilyoga“  gemeinsam mit den effektivsten westlichen und östlichen Methode Heilung an.Diese effektivsten Methoden würde sie auch lehren.

Der Versuch, nach der ersten Abmahnung die Kollegin (ohne Anwalt und ohne weitere Kosten!) kollegial auf ihr Fehlverhalten aufmerksam zu machen, erwies sich als sehr schwierig.

Obwohl die Ausübung der Heilkunde ohne Erlaubnis sogar eine Straftat ist und für die von ihr genannten Erkrankungen unhaltbare Wirkungsversprechen gegeben wurden (die für sich ebenfalls nicht erlaubt sind), fühlte sich die Dame im Wesentlichen belästigt.

Zwar änderte sie auf Drängen  (wie gesagt: ohne einen Anwalt einzuschalten!) viele Formulierungen, bezeichnete aber mich dann in einem Facebook – Post als einen „Terrier“, der sich in ihre „Waden verbissen habe“, der „Abmahnungen als Sport betreiben würde“ und dessen Verhalten krankhaft sei.  Auch massregelnde Hinweise über den rechten Yogaweg, den wir nicht verstanden hätten, fehlen natürlich nicht.

Fehlen jedes Unrechtsbewusstseins und Grössenphantasien

Dieser Vorfall zeigt, welche Abwege im Yoga heute teilweise beschritten werden.

Wir weisen darauf hin, das Yoga zur Behandlung von Krankheiten – also „Yoga Therapie“ in jedem Fall nur Personen erlaubt ist, die die Heilkunde ausüben dürfen. Dies können Ärzte, Psychotherapeuten oder Heilpraktiker sein.Für alle anderen ist dies Tabu.

Da für sogenannte Yogatherapie jedoch noch nicht einmal  eine einheitliche Definition existiert, noch anerkannte Therapieschemata mit wissenschaftlichen Wirkungsnachweisen in bestimmten Indikationsgebieten,  ist mit entsprechenden Wirkungsangaben schnell eine Verbotsgrenze überschritten.

Im Interesse der Seriosität des Yoga weisen wir auch alle Anbieter darauf hin, entsprechend sorgsam mit diesen Begriffen umzugehen.

Wir werden auch weiterhin gezielt mit Abmahnungen gegen Personen vorgehen, die sich auf Kosten der Allgemeinheit und anderer Yogalehrender Vorteile verschaffen wollen und letztlich dem Ruf des Yoga schaden.

Eigentlich wäre dies eine Aufgabe der Yogaberufsverbände, am Markt für Ordnung zu sorgen  – aber auch hier sitzen – etwa beim BDY  – selbsterkorene „Diplomyogalehrer“ in massgeblichen Funktionen, werden „staatlich anerkannte Ausbildungen “ von BDY Ausbildungsschulen toleriert und der Misssbrauch von Vorstandsämtern  zum persönlichen Vorteil bleibt ebenfalls folgenlos.

Hans Deutzmann

Yoga als Therapie? Vorsicht ist angebracht.

Yogalehrer in ganz Deutschland werben seit vielen Jahren mit Hormonyoga als Alternative zur  Hormonersatztherapie. Obwohl die Wirkung nicht bewiesen ist, kommt von der Erfinderin des Hormonyoga, Frau Rodriguez  nun „Yoga gegen Diabetes“  auf den Markt.

An jeder Ecke wird heute Yogatherapie feilgeboten – auch gegen  Aids, Krebs, Gastritis, Depressionen, Arthritis und Morbus Bechterew  sowie eine Vielzahl anderer Erkrankungen soll Yoga helfen.  Aber: Yogatherapie von „Therapeuten“ ohne medizinische Kenntnisse und Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde ist unzulässig. Und was ist dran am Wundermittel Yoga? 

Die in den letzten Jahren epidemische Verbreitung von sogenannter „Yogatherapie“ zur Heilung  aller  Arten von Krankheiten zwingt  zu einer sehr kritischen Betrachtung von unwissenschaftlichen Heilungsversprechen aus dem Kontext des Yoga und der Yogatherapie.

Eine typische Werbung zum Hormonyoga spricht beispielsweise Frauen in denWechseljahren an

Sogenanntes „Hormonyoga“ verspricht Linderung und Heilung der mit dieser Lebensphase oft verbundenen  körperlichen und seelischen Beschwerden. Spezielle dynamische Yoga- und Atemübungen stellen demzufolge „die Harmonie wieder her“ und fördern den Hormonausgleich. Die lange Liste von Beschwerden und Symptomen umfasst

  • Kopfschmerzen/ Migräne
  • Hitzewallungen
  • Energie und Antriebslosigkeit
  • verminderte Leistungsfähigkeit
  • Reizbarkeit
  • Mutlosigkeit
  • emotionale Labilität
  • Schlafstörungen
  • depressive Verstimmung
  • Angstzustände
  • Veränderung der Haut und Haare
  • Haarausfall
  • Osteoporose
  • Gelenkschmerzen
  • Kreislaufschwäche
  • Nachlassen der Libido
  • Trockenheit der Vagina
  • Juckreiz im Vaginalbereich

Hormon Yoga wird als „eine natürliche Alternative zur pharmazeutischen Ersatztherapie“ angepriesen. Damit aber nicht genug:

Die dynamischen Übungen helfen angeblich auch jungen Frauen, nicht nur den Hormonhaushalt ins Gleichgewicht zu bringen und sich fit zu halten, sondern auch bei  unerfülltem Kinderwunsch. Teenagern wird die „Hormonyoga Therapie“ empfohlen, um unregelmäßige Menstruation, starke Schmerzen oder polyzystische Eierstöcke zu kurieren. Nach den tausendfach im Netz wiederholten Preisungen der Erfinderin dieser Wunderwaffe soll die spezielle Übungsreihe diese Erfolge durch angeblich sanfte einfache Übungen mittels  einer Reaktivierung der körpereigenen Hormonproduktion bewirken.

Durchschnittlich 4 Monate, so wird behauptet, dauere es, bis die Praxis der “ hormonellen Yoga-Therapie“  eine Besserung der Symptome bewirke. Konkretisiert wird diese These in einem Beispiel aus dem Netz  dahingehend, dass in den „meisten Fällen“ der Hormon-spiegel „durchschnittlich“ um 254 % in 4 Monaten steigen würde (!), wobei Häufigkeit und Dauer der Praxis des Hormonyoga in direktem Verhältnis zum Anstieg des Hormonspiegels stünden.

Derartige Angaben sind der reinen Phantasie entsprungen und entbehren jeder Seriosität.

Hormonyoga als alternativ-medizinisches therapeutisches Verfahren?

 Bei Wikipedia heißt es:

„Hormon-Yoga ist eine Methode, bei der mit Hilfe von Yoga das endokrine  weibliche Hormonsystem positiv beeinflusst werden soll. Sie wurde in den 1990er Jahren von der Brasilianerin Dinah Rodrigues entwickelt und wird bisher vorwiegend in Brasilien und im deutsch-sprachigen Raum angewandt. Es handelt sich hierbei um ein alternativ-medizinisches therapeutisches Verfahren, welches mit dem allgemein anerkannten Wissensstand von Medizin und Pathophysiologie nicht übereinstimmt.  Die Übungen sind geschlechtsspezifisch; bisher haben nur die für Frauen bestimmten Übungen weitere Verbreitung gefunden. Rodrigues gibt an, dass bei einer mehrmonatigen täglichen Praxis deutliche Besserungen bei Wechseljahrsbeschwerden und prämenstruellem Syndrom (PMS) regelmäßig beobachtet werden. Sie dokumentiert angebliche Erfolge durch Fallberichte in ihrem Buch „Hormon-Yoga“. Unabhängige medizinische Studien zur Wirksamkeit liegen nicht vor.“

Die Wirkung von Hormonyoga ist nicht nachgewiesen

Leider gibt es auch gut 25 Jahre nach der Publikation der Methode nicht eine einzige  klinische Studie, die eine Wirkung von Hormonyoga in der behaupteten Weise bestätigen oder ablehnen konnte. Von Medizinern wird ein direkter Einfluss von Hormonyoga und den dort propagierten Atemtechniken auf den Hormonhaushalt, die Drüsen und deren Hormonproduktion  ablehnend  gesehen.

Somit bleibt Frau Rodriguez  nur der Verweis auf mögliche  einzelne positive Erfahrungen mit Hormonyoga. Damit sind die im Zusammenhang mit Hormon-Yoga gegebenen Heilungsversprechen unseriös, und möglicherweise auch  als rechtswidrig anzusehen.

Soweit eine therapeutische Indikation zur Behandlung von Gesundheitsstörungen oder Krankheiten gegeben ist, darf die Heilkunde  nur von Personen mit einer ent-sprechenden Erlaubnis ausgeübt werden, also Ärzten und Heilpraktikern. Dies ist bei den allermeisten Anbietern von Hormonyoga nicht gegeben. Dies gilt jedenfalls dann, wenn mit der Ausübung der Therapie gesundheitliche Gefahren verbunden sein könnten. Die gegebenen Heilungsversprechen müssen zudem aus rechtlichen Gründen des Heilmittelwerbegesetzes zum Schutz der Verbraucher wissenschaftlich eindeutig belegbar sein.  Auf die Tatsache, dass die Behauptungen auf keinen wissenschaftlichen Belegen basieren und umstritten sind, muss expressis verbis hingewiesen werden. Das ist so gut wie nie  der Fall, so dass die gesamte Art der beschriebenen Werbung im Bereich des Hormonyoga als unlauter einzuschätzen ist und gegen das UwG verstößt.

Zwar können bei einer sinnvollen, an die Bedürfnisse einer Person angepassten  Yogapraxis allgemeine positive Wirkungen auf die Gesundheit über die Wege des Stressabbaus und der Entspannung angenommen  werden.

Es ist nicht auszuschließen und sogar anzunehmen, das Yoga generell und unabhängig von der spezifischen Hormonyoga – Übungsreihe über die erzielte Entspannung eine Verbesserung der vegetativen Balance bewirkt,  die sich über systemische und vegetative Regulationsmechanismen auch dem endokrinen System vermittelt und zu einer Stabilisierung der Gesundheit in den Wechseljahren beitragen kann. Voraussetzung hierfür wäre jedoch schon eine Übungspraxis, die den individuellen Bedürfnissen des Einzelnen angepasst ist. Dies sehen wir bei den keinesfalls „sanften“ Übungen des Hormonyoga“ nach den uns bekannten Übungsfolgen nicht als gesichert an.

Unbewiesene Heilwirkungen im Yoga

Die Behauptung spektakulärer Möglichkeiten und grandioser Heilwirkungen hat  im Yoga eine ebenso lange wie unrühmliche Tradition. Bekannte und gefeierte Begründer des modernen Yoga wie T. Krishnamacharya und sein Epigone B.K.S. Iyengar haben sich durch phantastische Wirkungsangaben bei bestimmten Übungen in frühen Publikationen wie „Licht auf Yoga“ und “ Yoga Makaranda“ im 20 Jahrhundert unrühmlich hervorgetan.

So wirkt die nebenstehend abgebildete Übung, dargetan in der „Yoga Makaranda“ von Krishnamacharya angeblich  gegen Blähungen sowie Tuberkulose, Schwangeren hingegen wird von der Ausübung abgeraten. Diese schwierigen und für die Gesundheit sinnlosen Übungen werden nicht ohne Grund in der Regel von Kindern gezeigt, die noch eher die erforderliche Beweglichkeit aufweisen. Asana gegen Tuberkulose und Blähungen

Angeblichen phantastischen  Wirkungen einzelner Übungen fehlte hierbei nicht  nur jeder Nachweis oder Beleg, sondern oft – wie hier – auch jede Plausibilität. So wurden die entsprechenden Mythen nach Kräften genährt, die bis heute in eine Art verklärtem Aberglauben in die Allwirksamkeit des Yoga  gerade die deutsche Yogascene durchwabern.

Diese den Yoga verklärenden Traditionen stehen im deutlichen Gegensatz zu dem Ansatz eines wissenschaftlichen und aufgeklärten Yoga, wie er dem Gründer des Kaivalyadhama Instituts in Lonavla, der führenden Einrichtung des modernen Yoga in Indien bis etwa 1950, G. Gune (yogischer „Künstlername“  Swami Kuvailyananda) vorschwebte.

Gune erhob entgegen den maßlosen Übertreibungen vieler zeitgenössischer  Mitstreiter den Anspruch

keinerlei Wirkungsangaben über Yoga zu machen, die sich nicht wissenschaftlich belegen lassen.    

Es ist heute in besonderem Masse erforderlich, nicht nur den unseriösen Mysti-fizierungen des Yoga entgegenzutreten und auf wissenschaftlicher Grundlage zu klären, was Yoga  im präventiven und therapeutischen Rahmen kann und was es nicht kann. Hierbei ist in jedem einzelnen Fall eine Spezifizierung der angewendeten Methoden und Prinzipien erforderlich.

Heilungsversprechen der Yogatherapie

Im Zuge heutiger  Fehlentwicklungen im Yoga haben wir uns mit den Anpreisungen und Konzepten  der so genannten Yogatherapie zu befassen.  Heilen mit Yoga wird häufig vorgestellt als

der gezielte Einsatz eines individuell gestalteten Yogaprogramms zur Behandlung bestimmter Krankheitsbilder.  

Andere Ansätze wie beispielsweise im   „Hormonyoga“ oder „Diabetesyoga“ stellen auch feste Übungsschemata vor, die allen Betroffenen angeboten werden.

In so genannten Yogatherapieausbildungen werden Menschen in Zeiträumen von 4- 5 Wochen (!) bis zu 1,5 Jahren (nebenberufliche Wochenendseminare) mit  „einigen der häufigsten Krankheitsbilder“ vertraut gemacht, ebenso wie mit den  angeblich  wirkungsvollsten Yogatechniken, um die Beschwerden zu lindern oder zu beseitigen.  Neben den  „Grundprinzipien der yogatherapeutischen Behandlung“ stehen Themen wie Gesprächsführung und Befunderhebung, Erkennen von Behandlungsschwerpunkten und das Erstellen eines Behandlungskonzeptes auf den Lehrplänen.   „Yogatherapie“ widmet sich einem großen Spektrum von körperlichen und psychischen Funktionen.

Die im Folgenden aufgeführten  Beschwerdebilder werden als Felder der Yogatherapie be-nannt, wobei als Quelle exemplarisch nur drei Webseiten von entsprechenden Anbietern ausgewertet wurden:

AIDS, Allergien, allergische Rhinitis, Ängste, Arthrose, Asthma Bronchiale, Akne, Alkoholismus, Angina Pectoris,  Angstzustände, Arteriosklerose,  Atemnot,  Ausfluss von Scheidensekret,  Bluthochdruck, Blähungen, Bronchitis, Bulimie, Chronischer Gelenkrheumatismus, Colitis Ulcerosa, Depression, Diabetes, Drogensucht, Durchblutungsstörungen, Durchfall , Dysmenorrhoe, Ekzem, Epilepsie, Erkältung, Gebärmutter, Gedächtnisstörung, Geistige Ermüdung, Gelenke, Gastritis, Geburtsvorbereitung, Gleichgewicht, Herzinfarkt, Hyperventilation, Hämorrhoiden, Heuschnupfen, HWS-Syndrom, Lungenerkrankung, Impotenz, Inkontinenz, Ischias, Infektionsanfälligkeit, Innere Unruhe, Konzentrationsstörungen, Koordinationsvermögen, Koronare Herzkrankheit, Körperliche Ermüdung,  Krampfadern, Krebs, Leistenbruch, Lungenschwäche, LWS-Syndrom, Schulter-Nacken-Syndrom, Magengeschwür, Magenverstimmung, Magersucht,  Menopause,  Menorrhagie Menstruationsbeschwerden Migräne, Morbus Bechterew, Morbus Crohn, Muskelkrämpfe, Nabelbruch, Nasennebenhöhlen, Neurodermitis, Niedriger Blutdruck, Polyarthritis, Prämenstruelles Syndrom, Prostataprobleme, Reizbarkeit, Reizdarmsyndrom, Reizmagen, Rheumatische Arthritis,  Rückenschmerzen,  Schilddrüsenüberfunktion, Schilddrüsenunterfunktion, Schlafstörungen,  Schmerzen, Schulterverspannung, Schuppenflechte, Sinusitis, Sodbrennen, Stressbedingte Kopfschmerzen und Migräne, Übergewicht,Unfruchtbarkeit, Verstopfung, Wechseljahre , Zervikale Spondylose, zu niedriger Blutdruck, Zwerchfellbruch, Zwischenblutungen, Zwölffingerdarmgeschwüre.

Dass die Anwendungsgebiete der Yogatherapie selbst damit nicht erschöpft sind, wird ebenfalls deutlich gemacht. Der Kranke wird bei mehreren der Anbieter in folgender Weise ermuntert:  Falls du dein Problem in der Liste nicht finden solltest, sprich uns ruhig drauf an. Wir finden gemeinsam eine passende Lösung für dich.

Richtet sich diese Aufforderung an künftige Patienten, wird den „Yogatherapeuten in spe“ versprochen, sie könnten das  Gelernte schon während der „Ausbildung“ sofort in ihrer Beratungs- und Behandlungspraxis einsetzen. Bei den „Ausbildern“ selbst handelt es sich nicht selten nicht etwa um medizinisches Fachpersonal, sondern gelegentlich einmal um Heilpraktiker, aber  häufiger auch um Personen ohne jeden medizinischen Grundberuf.

Der Aufforderung folgen offensichtlich etliche der Absolventen, die hier entsprechend den Ratschlägen ein neues Geschäftsfeld abdecken möchten und fürderhin „Yogatherapie“ für die genannten Krankheitsbilder auf ihren Webseiten anbieten. So erklärt sich die sprunghafte Zunahme von Yogatherapie.

Eine Reihe  führender Anbieter von Yogatherapieausbildungen  „befähigen“ ihre Klientel nach eigenen Angaben so, in nur ca. 4- 6 Wochen „Ausbildungszeit“ eine Vielzahl von Krankheiten zu erkennen, zu diagnostizieren und yogatherapeutisch zu behandeln.  Dabei wird in den kurzen Ausbildungsparcours die gesamte komplexe menschliche Anatomie und Pathologie behandelt. Eine derartige  Ausbildung, die von jedem Laien mit jedweder Yogavorbildung besucht werden kann, vermittelt beispielsweise in nur 7 Wochen die Themenbereiche

Lendenwirbelsäule, Becken, untere Extremitäten,  Brust- und Halswirbelsäule, Schultergürtel, obere Extremitäten und Anatomie der Atmung,  Atemwegs- und Herzreislauferkrankungen, Physiologie der Atmung, internistische,  neurologische, immunologische Erkrankun-gen, Yoga mit älteren Menschen, depressive Störungen und Abhängigkeit,  Stress und Angststörungen

Im Sinne eines „multimodalen Therapiekonzepts“ sollen die Yogatherapeuten auf Basis dieser Kenntnisse  in Abhängigkeit  von der Schwere der  Erkrankung therapeutisches Yoga in Form eines individuell zugeschnittenen Yogaübungsprogramms applizieren.

Auf Basis des „gesunden Menschenverstandes“ – so dieser Anbieter – soll der künftige Yogatherapeut  etwa eine Behandlung orthopädischer Beschwerden durchführen, um die Beschwerden zu „lindern oder zu beheben“.  Eine Diagnostik sei bei den Klienten ausdrücklich nicht erforderlich, wenn auch immerhin eine Befunderhebung (?) empfohlen wird, der sich eine Untersuchung  sowie die Aufstellung von Behandlungszielen und sodann eine Behandlung anschließen soll.

Warum also sollte man viele Jahre Medizin oder Psychologie studieren?  Es scheint  der einfachere Weg, Yogalehrer und sodann „Yogatherapeut“ zu werden, was einen sozialen Aufstieg – etwa vom Friseur oder Verwaltungsangestellten – in einen medizinischen Beruf suggeriert.

 Die epidemische Verbreitung von Yogatherapie durch medizinische Laien

In den vergangenen Jahren hat sich die sogenannte „Yoga-Therapie“ durch medizinische Laien auf Basis der hier exemplarisch beschriebenen Konzepte nahezu epidemisch ausgebreitet.

Aus unserer Sicht handelt es sich hierbei um ein unseriöses Unterfangen, wenn  Personen ohne medizinische Kenntnisse an die Behandlung von Krankheiten und Gesundheitsstörungen mit Methoden des Yoga herangeführt und zur Ausübung der Heilkunde ermuntert werden,  die weder die erforderlichen medizinischen Kenntnisse besitzen und auch nicht die Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde haben.

Eine erste Durchsicht der entsprechenden Ausbildungs-Institute ergibt, das so gut wie keines dieser Einrichtungen einen Hinweis auf erforderliche medizinische Vorbildungen gibt und  ebenfalls nicht darauf hinweist, das nach deutschem Recht die Ausübung der Heil-Kunde an eine entsprechende Erlaubnis gebunden ist.

Was soll  nun Yogatherapie sein?

Ein einheitliches Verständnis von Yogatherapie existiert nicht.

Der Begriff  „Yogatherapie“ suggeriert demzufolge schon fälschlich ein anerkanntes Heilungsverfahren in Bezug auf bestimmte Erkrankungen.

Nach einem häufig zu findenden Verständnis von sogenannter Yogatherapie soll der selbsternannte „Therapeut“ nach einer individuellen „Anamnese“  oder Befunderhebung (also wohl doch eine Art „Diagnose“) seinem „Patienten“ individuell eine Übungsauswahl aus dem Fundus der Yogamethoden  passend zu seiner Erkrankung zusammen-stellen.

Hierbei finden sich gänzlich heterogene Konzepte schon in Bezug auf  die Erklärungsmo-delle, die Prinzipien der Ausführung und Auswahl der Übungen wie etwa Asanas, Atemübungen und Meditation sogar innerhalb der gleichen „Tradition“.

Zugleich existieren äusserst fragwürdige Therapieschemata analog zu der Übungsreihe „Hormonyoga“, neuerlich auch gegen „Diabetes“ .  Schon wegen der vollkommenen Heterogenität der Konzepte  ist zu schließen, dass Hinweise auf angebliche wissenschaftliche Beweise für die Wirksamkeit von  irgendwelchen Yogatherapien  in einem extrem weiten Feld von möglichen Erkrankungen und Anwendungen heute auf Sand gebaut sind und nicht erbracht werden können. Hierzu müssten ja in Bezug auf ganz bestimmte Erkrankungen feste Therapieschemata existieren, die entsprechend klinisch erprobt und validiert worden wären.

Sie müssten unabhängig vom Lehrer ausgeführt bei bestimmten Erkrankungen bei definierten Krankheitsbildern zu bestimmbaren Wirkungen führen. Das ist durchweg nicht der Fall, da es schon solche verbindlichen Konzepte nicht gibt.

Das einzige aktuelle seriöse Beispiel eines Einsatzes verbindlicher Konzepte aus dem Yoga findet sich im „MBSR“ von J. Kabat Zinn. Dieses von einem Arzt für die Anwendung zur Stressbewältigung entwickelte Konzept weist ein standardisiertes Programm mit einfachen Asana, Tiefenentspannung und Meditation auf und ist mittlerweile gut evaluiert.  Sie werden in einer standardisierten Form für den klinischen Einsatz zum Abbau von Stress in einem kognitiv -übenden Stressbewältigungskonzept verknüpft.

Der Anspruch dieses einzigen als seriös einzustufenden und klar definierten Verfahrens ist es aber nicht, ein therapeutisches Allheilmittel zu sein. Es setzt gezielt auf Stressbewältigung und Entspannung, dessen Wirkmechanismen sich in einem breiten Feld von Prävention, Therapie und Rehabilitation als wirksam erwiesen haben.

Bei  B.K.S Iyengar   finden sich auch einige vorgefertigte so genannte „Therapieschemata“. Schon eine oberflächliche Betrachtung dieser Übungskonzepte ist wenig überzeugend, sie wirken ebenso willkürlich und unbegründet wie unpassend.

Gegen „Erkältungen“ findet sich bei einem anderen Anbieter eine recht anstrengende Übungsreihe, deren herausragendes Merkmal in Bezug auf die Erkältung in der skurrilen Übung „Schleimschleuder“ zu bestehen scheint, einer Vorbeuge aus der Grätsche. Von dieser Übungsreihe ist Menschen mit Erkältungen dringend abzuraten, da sie viel zu anstrengend ist und keinerlei logischen Bezug zu einer Erkältungskrankheit aufweist.

Die „Schleimschleuder“ könnte sich zudem eher  als „Bakterien- und Virenschleuder“ erweisen, so dass die Reihe nur unter Quarantänebedingungen zu empfehlen ist.

Ungeeignete Übungsreihe im Falle des Hormonyoga

Wir mussten schon im Falle des Hormonyoga  feststellen, das diese Übungsreihe unter den allgemeinen Gesichtspunkten der bedarfsangepassten Übungsauswahl, des rückengerechten Übens und der zielgruppengerechten Aufbereitung als  ungeeignet für die primäre Zielgruppe von Frauen mittleren Alters zu betrachten ist.

Jedenfalls dürften hier dem behaupteten unbewiesenen Nutzen eine erhebliche Gefährdung durch extreme Atemtechniken und Asanas bestehen, wie sie von William S. Broad thematisiert wurden und heute unbestritten sind. Die angebotene Kombination von intensiven Atemtechniken (Bhastrika Varianten) mit sehr dynamischen Bewegungen und Visualisierungen als Kombination von Übungen aus verschiedenen Yogarichtungen  ist als „fortgeschrittene Praxis“  definitiv ungeeignet für Anfänger, insbesondere Frauen Mitte 40.  Gerade einer Zielgruppe ohne Vorerfahrungen im Yoga sind diese Übungen absolut nicht zuzumuten.

Soweit es den Yogatherapeuten selbst überlassen bleibt, ohne fundierte medizinische Grundkenntnisse, eigene Therapievorschläge etwa „basierend auf dem gesunden Menschenverstand“ zu unterbreiten, ist vollkommen schleierhaft, auf welche medizinischen Kenntnisse sie diese individuellen Behandlungs- Settings stützen und welche wissenschaftlichen Wirknachweise hierfür jeweils bestehen.

Yogatherapie gegen Diabetes?

In verschiedenen Massenmedien wie „Focus“ und „Brigitte“ stellt Frau Rodriguez nun neuerlich eine Yogatherapie gegen Diabetes vor.  Zeitgleich erschienen Artikel in verschiedenen Medien, die Yoga als Therapie zu diesem Zweck anpreisen.

Auch der BDY tat sich mit einer entsprechenden  Pressemitteilung hervor.   Frau Rodriguez jedenfalls gibt zu, dass sie wie im Falle des Hormonyoga auch hier nur auf eigene, persönliche positive Erfahrungen zurückgreifen kann. Bedauerlicherweise reicht dies der Presse, die Falschmeldung zu verbreiten, ihre Yoga-Übungen wäre eine erfolg-reiche therapeutische Methode zur Behandlung von Diabetes.

Anstatt für die Wirkung des aus der Öffentlichkeit und eher aus der Mode geratenen „Hormonyoga“ endlich wissenschaftliche Beweise vorzulegen, scheut die Dame sich nicht, nun erneut ein spezifisch drüsenwirksames Übungsprogramm, nun aber gegen Diabetes, aus dem Hut zu zaubern und wird vermutlich auch dieses wieder erfolgreich vermarkten.

Ist die Wirksamkeit von Yoga bei Diabetes erwiesen?

Vorliegende Studien zur Wirksamkeit von Yoga bei Diabetes sind äußerst rar und stützen die These einer eigenständigen Yogatherapie bei Diabetes faktisch  nicht.Wirkungen, die über eine die medizinische Therapie begleitende andere Entspannungstechnik oder einen Spaziergang hinausgehen, konnten bislang nicht nachgewiesen werden.

Eine der jüngeren Studien untersuchte Probanden, die neben einer herkömmlichen Therapie gegen Diabetes ergänzend Yoga übten. Hier ergaben sich Verbesserungen des Blutzuckerspiegels im Vergleich zu der Gruppe, die kein Yoga übte. Alle wurden medizinisch behandelt. Eine Vergleichsgruppe, die etwa Autogenes Training oder Spazierengehen betrieben hätte, gab es in dieser Studie nicht. Auch wurden Faktoren, welche die Ergebnisse verfälschen können, nicht kontrolliert. Der Aussagewert einer solchen Studie  besteht darin, dass es günstig sein kann, zusätzlich zu einer medizinischen Behandlung ein Yogaprogramm zu absolvieren, welches die Entspannung und den Stressabbau fördert. So können späte Folgen von Diabetes wie Herzerkrankungen möglicherweise günstig beeinflusst werden. Aber selbst dies ist heute schon lange nicht bei allen Yogarichtungen der Fall, denkt man an Bikram, Power, Ashtanga oder andere Yogastile.Um diese Wirkung zu verifizieren, müsste das Yoga-Programm spezifiziert werden.

Seit einem Jahr gibt es nun angeblich eine solche Übungs-Reihenfolge für Typ-2-Diabetiker.

Sie wurde nach Angaben des  Geschäftsführers des BDY, H.J. Weber, an der Svyasa-Universität im indischen Bangalore entwickelt und getestet. Neun Monate lang praktizierten angeblich mehr als 2000 Testpersonen mit Typ-2-Diabetes Atem-, Entspannungs- und Körperübungen. Bei allen Teilnehmern sanken angeblich die Blutzuckerwerte, und die Betroffenen kamen mit weniger Medikamenten aus. Yoga-Übungen und Meditation könnten nach Angaben des Focus und des BDY unter Berufung auf diese Studie  den Blutzuckerspiegel positiv beeinflussen und die Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen  bei Typ-2-Diabetikern erheblich senken. denn auch gegen Stress und beim Abnehmen helfe regelmäßige Yoga-Praxis.

Obwohl es nach Angaben von Weber erforderlich sei,  dass es ein wissenschaftlich erprobtes Übungsprotokoll für Diabetiker gebe, könne Yoga eine effektive Therapie bei Diabetes sogar unabhängig vom geübten Stil darstellen. Diese Aussage ist in sich unschlüssig, wenn von Weber im gleichen Atemzug  festgestellt wird, das sehr sportive und schweisstreibende Varianten des Yoga den Blutzuckerspiegel zu stark absenken würden.  Tatsächlich ist es so,  dass klassisches Yoga den Stoffwechsel verlangsamt und deshalb ohne gleichzeitige Ernährungsumstellung sicher nicht beim Abnehmen hilft.

Es ist also schon  in sich unstimmig, wenn einerseits ein „wissenschaftliches Übungs-protokoll“ gefordert wird, aber andererseits jede Art von Yoga zur Behandlung von Diabetes Typ 2 geeignet sein soll. Trotz Emailanfragen konnten wir die genannte Studie und das zugehörige „wissenschaftlich erprobte Übungsprotokoll“ auf der Webseite  der Svyasa-Universität nicht verifizieren, Anfragen hierzu  blieben leider unbeantwortet. Als sicher kann aber gelten, dass auch hier eine medizinische Behandlung mit einer Diät, Änderungen im Bewegungsverhalten und Yoga kombiniert wurden.  Yoga ist also nur ein Baustein in einem Gesamtkonzept. Als empfehlenswert gelten laut Focus  in diesem Programm unter anderem die Yoga-Haltungen Fisch und Schulterstand.

Hier finden sich die alten Behauptungen wieder, einzelne Asanas könnten etwa durch Druckmanipulationen die Funktion von Drüsen beeinflussen, was nicht der Fall ist.

Während der „Focus“ im Einklang mit der Geschäftsführung des BDY dem Irrglauben Vorschub verleiht, Asanas wie der „Schulterstand“ könnten Diabetes heilen, warnt die 1. Vorsitzende des gleichen BDY, Frau Angelika Beßler, in einem anderen Forum berechtigt vor den gesundheitlichen Gefahren derselben Übung. Besonders oft kämen beim Yoga Nacken, unterer Rücken und Schultern zu Schaden –und zu den besser zu meidenden Übungen zählt gerade auch der Schulter­stand.

„Sie belasten den Nacken extrem und stehen im Verdacht, das Schlag­anfall­risiko zu fördern“

 (http://www.test.de/Yoga-Nachweislich-gut-fuer-Leib-und-Seele-4672873-0/)

Nun kann man möglicherweise also durch den „Schulterstand“ Diabetes Typ 2 reduzieren, zieht sich aber im Gegenzug mit etwas Pech einen Schlaganfall zu?

Generell kann eine therapeutische Wirkung einzelner Asanas in den Bereich der Legenden verwiesen werden.

Yoga kann bei einem angemessenen Übungssetting als wirksam für Entspannung und Stressabbau angesehen werden. Stress ist ein wichtiger und anerkannter Risikofaktor für eine Vielzahl von Erkrankungen. Entspannung kann Erkrankungen vorbeugen und die Heilung fördern. Nach den modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen ist es jedoch nicht unwesentlich, welche Entspannungstechnik therapeutisch bei welchen Erkrankungen eingesetzt wird. Zudem ist  zwischen Prävention und Therapie zu unterscheiden. Kein Entspannungstrainer würde wegen der positiven Wirkungen die Entspannung als alleine wirksame Therapie gegen die oben beschriebene Anzahl von Erkrankungen anpreisen.

Zur Frage, in welchen Situationen Yoga in welcher Form anderen Entspannungsverfahren vorzuziehen ist, gibt es gar keine Studien. Verschieden Metastudien zum Thema der therapeutischen Wirkungen von Yoga bei Diabetes  zeigten eine große  heterogene Struktur der vorliegenden Untersuchungen  hinsichtlich der Studien-Populationen und waren nicht immer hinsichtlich möglicher Begleitfaktoren kontrolliert, sodass valide Aussagen nicht getroffen werden können.Auch  sind kurzfristige Effekte aufgrund der körperlichen Aktivität und einer bewussteren Ernährung möglich. Einige Studien beschrieben positive Effekte hinsichtlich des Nüchternblutzuckers, einige  fanden eine Abnahme des Glykohämoglobins, wobei nur eine Studie einen geringen Effekt zu Gunsten des Yoga beschrieb und zwei Studien keinen Vorteil zeigten. Die entsprechenden Studien deuten einen möglichen Vorteil für die Yoga-Interventionen an, wobei hier aber vornehmlich kurzfristige Veränderungen im Vordergrund stehen, während Studien zur Nachhaltigkeit der Effekte sowie zu den möglichen Einflussfaktoren gänzlich ausstehen.

Die untersuchten komplexen Yoga-Lifestyle-Programme umfassen zudem auch spezifische Diäten und Ernährungsumstellungen, die vermutlich ebenfalls einen Einfluss auf die untersuchten Parameter haben, sodass die tatsächliche Relevanz der Ergebnisse nicht beurteilt werden kann. Yoga wirkt bei angepasster Anwendung im Sinne einer Entspannungstechnik durch das gesamte integrierte Programm stressmindernd und enfaltet hierüber seine positiven Wirkungen im Sinne einer Tertiärprävention.

Vor diesem Hintergrund ist die Behauptung, Yoga wäre eine wirkungsvolle Therapie gegen Diabetes, sachlich falsch.

Es kann lediglich festgestellt werden, dass Yogapraxis begleitend zu einer medizinischen Behandlung der Erkrankung und entsprechenden Lifestyle -Änderungen komplementäre positive Effekte haben kann. Dies kommt vermutlich über palliative Entspannungs-reaktionen und Stress-Verminderung zum Tragen, was eine entsprechend ausgestaltete Yogapraxis verlangen dürfte und demzufolge durchaus nicht für alle Yogastile gelten würde.

Keine Yogatherapie ohne Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde

Vor dem Hintergrund dieser Erörterungen lehnt die Tripada Akademie die Ausübung von jedweder sogenannter „Yogatherapie“ – also die Anwendung von Yoga zur Diagnose, Linderung oder Behandlung von Gesundheits-Störungen und Krankheiten ab, wenn diese von Personen ausgeübt wird, die nicht die Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde haben.

Nach der  Eigendarstellung der selbsternannnten „Yoga-Therapeuten“ werden durch die vorgefertigten oder auch standardisierten Übungsfolgen des Yoga Selbstheilungskräfte mobilisiert. Anwendbar scheint  die Methode „Yogatherapie“  bei nahezu allen seelischen und körperlichen Krankheiten, auch bei schweren oder vermeintlich unheilbaren Erkrankungen wie Krebs. Man  erweckt in den Darstellungen den Eindruck, Krankheiten mit  Yoga als wissenschaftlich begründeter Methode heilen zu können.

Dass die Methode auch auf eine Selbstheilung durch die Patienten abzielt, ändert nichts daran, dass die Yogatherapeuten  in den Therapie-Sitzungen zum Zweck der Heilbehandlung tätig werden. Von der Tätigkeit gehen aus diesem Grunde aus unserer Sicht unmittelbare Gefährdungen für Patienten mit bestimmten Erkrankungen aus, wie man sich leicht vorstellen kann.

Gesetzliche Vorgaben dienen dem Gesundheitsschutz der Bevölkerung

Da die Yogatherapeuten somit Heilkunde ausüben, ohne als Ärzte bestallt zu sein, benö-tigen sie eine staatliche Erlaubnis  nach dem Heilpraktikergesetz, zu deren Erlangung eine Prüfung über Grundkenntnisse der Heilkunde abgelegt werden müsste.

Nach einem Urteil des Verwaltungsgerichtes Trier vom 18.08.10 (5 K 221/10.TR ) sind beispielsweise Behandlungen im Bereich der Traditionellen Chinesischen Medizin nur mit Erlaubnis nach dem Heil-praktikergesetz zulässig. Derartige Tätigkeiten können auch nicht von Hilfspersonen ohne medizinische Qualifikation ausgeübt werden.  Dem Kläger, der in einer Arztpraxis in den Bereichen Akupunktur, Akupressur, chinesische Puls- und Zungendiagnostik und chinesische Reflexzonen-Therapie tätig war, ist die Ausübung dieser Tätigkeit untersagt worden.Die Anordnungsverantwortung bezüglich Diagnostik und Therapie lag hier ausschließlich beim Facharzt, der sich während der Behandlungen stets in Rufnähe aufhielt. Die Ausübung von Heilkunde kann nach diesem Urteil  aber auch in so einer Situation nicht auf Hilfskräfte übertragen werden sondern erfordert  eine eigene medizinische Qualifikation.Nicht hinreichend sachkundige Personen stellen also in der Therapie  eine Gesundheitsgefährdung dar.

Da sich auch die so genannte Yogatherapie als umfassende Gesamtbetrachtung gesundheitlicher Probleme versteht, ist analog  in ihrem gesamten Anwendungsbereich eine potentielle Gesundheitsgefährdung alleine deshalb gegeben, weil möglicherweise eine erforderliche ärztliche Behandlung verzögert werden kann. Hinzu kommt, dass es entscheidend auf den Wissensstand der unmittelbar handelnden Person ankommt, sodass die ausgeübten Tätigkeiten von vorneherein einer Ausführung durch Hilfs-Personen ohne medizinische Qualifikation nicht zugänglich sind.

Wie wir gesehen haben, ist der  Anspruch der sogenannten Yogatherapie weit gefasst und beansprucht sogar, den „tiefliegenden Ursachen“ einer Erkrankung auf den Grund zu kommen.So lesen wir auf der Seite eines weiteren Yogatherapeuten, dass die YOGA – Therapie auf der individuellen Auswahl und Abfolge von Yoga-Übungen basiere, die „bestimmte Körperteile aktivieren und andere blockieren würden“.   Bei schweren oder angeborenen Erkrankungen bewirkten die YOGA – Übungen vielleicht keine völlige Gesundung,  aber in vielen Fällen könnten die damit verbundenen Beschwerden gelindert werden. Eine medizinische Behandlung beschleunige im Gegensatz zur Yogatherapie den Heilungsprozess, garantiere aber nicht echte Heilung. Einzig die Natur bringe echte Heilung, und die benötige eine längere Zeit, wie dies gerade in der Yogatherapie vorgesehen sei.

 Die Ursprünge und der Verlauf der zu behandelnden Beschwerden würden deshalb sorgfältig untersucht. Nicht nur die Symptome, sondern auch ihre Ursachen sollen dabei behoben werden

 Es versteht sich fast von selbst, dass der selbsternannte Yoga-Therapeut, der beansprucht, mit ein paar Asanas und Atem-Übungen die Ursachen aller Erkrankungen zu beheben, weder Arzt noch Psychologe noch Heilpraktiker ist.

In vielen Fällen wird nicht nur einem mystischen Glauben an die Allheilkraft des Yoga gefrönt, sondern auch einem naiven Krankheitsmodell gefolgt, welches die Ursachen der Erkrankungen einerseits tiefliegend in der Psyche oder auch im sogenannten „Karma“ verortet. Demzufolge ist die Krankheit ein Produkt früherer Handlungen, auch aus einem früheren Leben. Aus diesem „Wissen“ speist sich ein Überlegenheitsgefühl gegenüber der Schulmedizin. Da wirkt es geradezu ein wenig beruhigend, wenn immer wieder großzügig versichert wird, Yogatherapie wirke „unterstützend “ und begleitend zur Schulmedizin und sei mit anderen Naturheilverfahren durchaus kombinierbar.

Die Frage, ob bei Yogalehrern jedweder Provenienz, die sich anmaßen, therapeutisch  ohne Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde  tätig zu sein, um einen Rechtsverstoß handelt, ist angesichts der hier aufgeführten Therapiespektrums eindeutig mit „Ja“ zu beantworten.

Dass bei der Behandlung dieser Vielfalt von genannten Erkrankungen mit so genannter Yogatherapie gesundheitliche Gefahren verbunden sind, kann ebenfalls schon deshalb angenommen werden, weil die Yogapraxis selber bei unangemessener Anwendung  mit gesundheitlichen Risiken verbunden ist. Umso mehr gelten diese Risiken bei Kranken.

Bei uneinheitlichen und staatlich nicht geregelten Yoga-Lehrerausbildungen kann jeder heute ohne entsprechenden Qualifikationsnachweis im Grundberuf, ohne Mindest-anforderungen in einer Yogalehrerausbildung und ohne entsprechende Berufs-erfahrung ebenso beliebige Weiterbildungen zum „Yogatherapeuten“  absolvieren. Es kann auch angenommen werden, das die Anbieter dieser Ausbildungen sich gerade nicht in erster Linie an Ärzte und andere Fachkräfte wenden und auch keine zahlungsbereite Kundschaft abweisen. Die Ausbildungen richten sich gerade an Menschen ohne Vorbildungen.Es wird dazu ermuntert, ohne Beachtung der Rechtsgrundlagen therapeutisch tätig zu werden und ein breites Spektrum an Erkrankungen zu behandeln.

Da sich die Yogatherapie als umfassende Gesamtbetrachtung gesundheitlicher Probleme versteht, besteht wie in ihrem gesamten Anwendungsbereich bei einer Ausführung durch nicht hinreichend sachkundige Personen eine potentielle Gesundheitsgefährdung allein deshalb, weil möglicherweise eine erforderliche ärztliche Behandlung verzögert wird.

Hinzu kommt, dass es bei der Yogatherapie  entscheidend auf den Wissensstand der unmittelbar handelnden Person ankommt, sodass die ausgeübten Tätigkeiten von vorneherein einer Ausführung durch Hilfspersonen ohne medizinische Qualifikation nicht zugänglich sind.

Hohe Anforderungen für Yoga als Entspannungstechnik im Kontext der Gesundheitsförderung

Die Prüfung zum Heilpraktiker stellt heute eine sogenannte „Negativprüfung“ dar, die durch den  Nachweis medizinischer Kenntnisse sicherstellen soll, dass von der Person keine Gefahr für die Allgemeinheit ausgeht.  Sie ist dennoch nicht leicht zu bestehen und erfordert einen Vorbereitungsaufwand von 1000 – 2000 Stunden. Viele fallen durch

Selbst im Kontext der Gesundheitsförderung wird heute von den gesetzlichen Kassen ein staatlich anerkannter Grundberuf  im gesundheitlichen oder pädagogíschen Bereich und eine  zusammenhängende Yogalehrerausbildung über 2 Jahre und 500 Stunden verlangt. Hierbei geht es lediglich um die Anwendung von Yoga als Methode der Stressbewältigung und Entspannung. Zudem müssen verbindliche Kurskonzepte vorgelegt werden, auf die eine Schulung stattgefunden hat.

Heilhilfsberufe wie Physiotherapeuten  dürfen ebenfalls zum Vergleich nur auf ärztliche Anordnung heilberuflich tätig sein. Hierzu bedarf es einer Vollzeitausbildung über drei Jahre und ständigen spezifischen Weiterbildungen. Für die selbstständige Ausübung der Heilkunde im Bereich der Physiotherapie bedarf es einer weiteren Prüfung und der Erlaubnis nach dem HPG.

Vor diesem Hintergrund ist die Ausübung von Yogatherapie durch Personen, die keine Berechtigung zur Ausübung der Heilkunde haben, ganz unabhängig von der wissen-schaftlichen Tragfähigkeit der gegebenen Wirkversprechen und Konzepte – seien sie standardisiert oder individuell konzipiert – strikt abzulehnen und im Interesse des Yoga, seiner Seriosität und Glaubwürdigkeit nicht nur als Wettbewerbsverstoß, sondern auch als Verstoß gegen das Heilpraktikergesetz zu betrachten.

Ein Verstoss gegen das Heilpraktikergesetz ist nicht nur unlauter, sondern eine Straftat.

§ 1 Abs. 1 HPG sagt aus, dass wer die Heilkunde, ohne als Arzt bestallt zu sein, ausüben will, dazu der Erlaubnis bedarf. In § 1 Abs. 2 wird Ausübung der Heilkunde als jede berufs- oder gewerbsmäßig vorgenommene Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Krankheiten, Leiden oder Körperschäden bei Menschen definiert. Jeder Verstoß ist eine Straftat und wird auch entsprechend geahndet. Darum sind auch Heilhilfsberufe wie Krankengymnasten, staatlich geprüfte Masseure, Krankenschwestern u.v.a. nicht zur Ausübung der Heilkunde befugt. Ein Krankengymnast muss z.B. einen Menschen der mit Schulterschmerzen kommt und keine Verordnung durch einen Arzt oder Heilpraktiker hat, wieder wegschicken. Wenn er trotzdem behandelt würde er sich strafbar machen, es sei denn, er ist auch Heilpraktiker. Alle „Pseudoheilberufe“ wie Osteopathen, Iridologen, Bachblütentherapeuten, Kinesiologen, Shiatsutherapeuten, Anbieter von  Reiki, Akupunktur, Homöopathie und eben auch Yogalehrer  handeln strafbar. Jede Behandlung, die ohne eine erforderliche Heilpraktikererlaubnis durchgeführt wird, kann gemäß § 5 HeilprG mit einer Geldstrafe oder einer Haftstrafe bis zu einem Jahr geahndet werden.

Der Ausübung der Heilkunde in Form der weitgreifenden Yogatherapie von hierzu nicht berechtigten Personen, die Anleitung und Verleitung hierzu durch entsprechende Ausbildungsinstitute und den Heilversprechen ohne wissenschaftliche Grundlage treten wir deshalb im Interesse eines seriösen und glaubwürdigen Yoga und des Verbraucher-schutzes entschieden entgegen.

Hans Deutzmann, 21.09.2014

Tripada Akademie Wuppertal

Tripada Yogalehrerverband

Die dunkle Seite von Yoga – W wie Wissen – ARD | Das Erste

Die dunkle Seite von Yoga – W wie Wissen – ARD | Das Erste.

Die Kritik, die Dr. Günther Niessen ausdrückt, ist berechtigt.

Seit 15 Jahren beobachten wir eine zunehmende Häufung von Verletzungen durch Yoga. Verantwortlich hierfür sind nach unseren Erfahrungen  „traditionelle“ Yogastile wie Sivananda Yoga, Ashtanga Yoga und Power Yoga und  Vinyasa Yoga. William Broad ist es mit seinem Buch „Yoga und Wissenschaft“ zu verdanken, diese Entwicklung thematisiert zu haben. In der Yogascene wird das Thema aber weiter konsequent tabuisiert, ignoriert und totgeschwiegen.

Yoga wird  falsch praktiziert,  wenn  die elementaren Prinzipien des Yoga nicht berücksichtigt werden. Das elementare Prinzip ist das achtsame, sanfte und nicht gewaltsame Üben in den eigenen Grenzen.

Die Idee, dass Yoga immer gesundheitsfördernd wäre, ist heute nicht mehr aufrecht zu erhalten. Gerade extreme Yogaübungen und solche, die nicht an die individuellen Bedürfnisse einer Person ausgerichtet sind, können kurz- und langfristig schädigen.

Broad weist darauf hin, dass angeblich fast alle amerikanischen Yoga „Stars“ – was immer das sein soll – unter massiven Erkrankungen des Bewegungsapparates leiden. Unter den aufgezählten Personen sind besonders viele Iyengar – Schüler. Iyengar hat – auf Basis seiner gewaltsamen Ausbeutung durch Krishnamacharya – die Schaustellung extremer Posen immer weiter getrieben und dazu beigetragen, eine verzerrte extremsportliche Sicht des Yoga zu popularisieren. Es liegt nahe, dass die langfristige Praxis absurder Stellungen, wie sie in „Licht auf Yoga“ empfohlen werden, zu Langzeitschäden führen kann.

Im Power, Ashanga und Vinyasa Yoga sind die Risiken strukturell schon wegen der Kombination von kurzen „Ausbildungen“ und schwierigen Übungen sowie derimmdanenten Autoritätshörigkeiten gegeben. Fragt man Lehrer dieser Disziplinen nach dem Sinn ihres Tuns, wird man feststellen, das konkrete Begründungen der Übungskonzepte nicht existieren. Entweder wird man auf die Autorität der „Tradition“ verwiesen, oder bekommt zu hören, das „Brahman im Knöchel wohnt“ oder „die Sonne im Steißbein untergeht.

Fakt ist: Yogalehrer wissen oft weder, was sie tun, noch warum sie es tun—sieht man einmal von den traditionellen „Pseudoerklärungen“ ab. 

Die Seriosität heischenden  Label „international anerkannt“, etwa über die „A – merican Y-oga A-ssociation“ halten wir für Fake- es sind Label ohne nennenswerte  Qualitätsaussage. Dieser US – amerikanische Zertifizierungsverein lässt sich seine Label gut bezahlen, denn sowohl registrierte Schulen als auch Lehrer müssen jährlich tüchtig löhnen.

Unseriöse Yogatherapie

Allerdings trägt Herr Niessen selber zu diesen fatalen Dingen bei, wenn er als Anbieter von „Yogatherapieausbildungen“ Hinz und Kunz an Yogalehrer zu  sogenannten „Yogatherapeuten“ „ausbildet“.

Medizinische Laien ohne  entsprechende medizinische Kenntnisse werden in und bei kurzen Schulungen  Dr. Niessen ermuntert, in therapeutischen Beziehungen etwa Bandscheibenvorfälle zu „behandeln“.  Alle Körpersysteme in 5 Blockseminaren – fertig ist der Yogatherapeut mit Kompetenzen von der Physiotherapie über Internistik bis zur Psychotherapie.

Im Vergleich muss ein Physiotherapeut eine dreijährige Vollzeitausbildung durchlaufen und darf dann keinesfalls Heilberuf ausüben, sondern nur auf ärztliche Anordnung tätig sein und sicher nicht in allen Fachgebieten der Medizin.

Durch Dr. Niessen und andere Anbieter wie etwa Yoga Vidya wird dem Yogaaus kommerziellen Interessen großer Schaden zugefügt.

Jeder Yogalehrer, der sich berufen fühlt, mit Yogatherapie Krankheiten zu behandeln, macht sich strafbar, wenn er nicht Arzt, Heilpraktiker oder psychologischer Psychotherapeut ist. Hier wird nun sogar an einem Berufsbild des Yogatherapeuten gebastelt, der geradezu eine allumfassende medizinische Zuständigkeit hat.

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Menschen durch solche sogenannten Yogatherapeuten schwerwiegende Schäden davon tragen.  Yogalehrer kann man heute an zwei Wochenenden werden. Yogatherapeut auch.

Yoga hat historisch nicht der  Therapie von Krankheiten, sondern der Gesunderhaltung gedient.

Für eine therapeutische Qualifikationen sind ganz andere Grundqualifikationen  erforderlich und die Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde.

Wer hier keine klaren Grenzen zieht, sondern mit der Fortbildung der vormaligen Friseurin oder Verwaltungsangestellten mit einer beispielsweise 4 Wochen „Ausbildung“  zur Yogalehrerin“ nun noch die Ausübung von „Yogatherapie“ ermuntert, reproduziert die gleichen Probleme die auf der Yogaebene schon kritisiert werden.

Aus diesem Grunde ist der Beitrag  für mich fragwürdig.

Medizinische Fortbildungen  im Bereich Yogatherapie sind nur sinnvoll an Angehörige der Heilberufe zu richten. Diese werden sich aber kaum an einem medizinischen Einführungsseminar an einem Wochenende in Fachgebiete der Medizin begeistern lassen, die Inhalt einiger Vorlesungen des Grundstudiums gewesen sind.

So lange keine klaren Standards für eine staatliche anerkannte und regulierte Yogalehrerausbildung existieren, kann man Yogatherapie nicht in dieser Form verbreiten.

Die Tripada Akademie wird gegen alle Yogalehrer vorgehen, die Yogatherapie anbieten, ohne über die entsprechenden gesetzlichen Erlaubnisse zur Ausübung der Heilkunde zu verfügen.